Weinbaugeschichte


Quelle: Heimatverein Rheinbreitbach


Weinort Rheinbreitbach - Das Fenster zum Siebengebirge

Dankward Heinrich, 2011


Weinbau seit über 1000 Jahren

Rheinbreitbach ist ein uralter Weinort. Mit den Römern kam der Weinbau an den Rhein, so auch nach Rheinbreitbach, wo der Weinbau einer Überlieferung nach bereits seit 694, also schon zu fränkischer Zeit, besteht.


Weingärten von der Koppel bis an den Rhein

Die Weingärten Rheinbreitbachs erstreckten sich noch bis 1912 von den Höhen (Horn, Berg, Vogelsang im Norden über Koppel, Mühlenberg, Kreutzberg, Schützenhüttberg bis Korf, Am schwarzen Kreuz im Süden) um den Ortskern herum bis hinunter an den Rhein (Salmenfang, Rehwingert, Feldwingert). 1661 wird von 110 Weingärten in Rheinbreitbach berichtet.

Über den Vingerts wachte damals wie heute das Koppelkreuz. 1844 wurde es von den Rheinbreitbacher Junggesellen auf der Koppel als ein schweres aus Kelterbäumen von alten Waagenkeltern hergestelltes, über 6m hohes Kreuz errichtet. Als es im Jahre 1890 zum größten Teil verbrannte, wurde es 1891 durch ein 10m hohes neues und zwar eisernes Kreuz ersetzt, das wiederum 1925 und 1953 erneuert wurde.

An der Nordseite der Koppel unterhalb des Kreuzes, oberhalb der Sitzbank am heutigen Dick- und Schmalplatz, wurde - meist aus Buchen - Rahmholz gewonnen, also Pfahlhölzer für den Weinbau. Bis Ende der 1990er Jahre wies auf die Rahmholzkultur ein inzwischen abhandengekommenes Schild hin.


Vorzüglicher Rheinbleichart (Bleichert)

Berühmt war Rheinbreitbach für seinen weiß gekelterten Rotwein. In vielen Büchern des 19. Jahrhunderts, wird auf den guten Wein aus Rheinbreitbach verwiesen, „wo ein vorzüglicher Bleichart, oder blaßroter Wein gewonnen wird“ (1820). Angebaut wurden 1910 die Rebsorten Riesling, Österreicher (Grüner Silvaner), Kleinberger (Weißer Elbling), Früh- und Spätburgunder.

Rheinbreitbach und sein Wein zog viele Besucher aus Nah und Fern an, wie die Märchensammler Brüder Grimm, Karl Simrock, Dichter und Schriftsteller wie Ferdinand Freiligrath, Rudolf Herzog, Josef Winckler oder Musiker wie den Polkakönig Will Glahe oder den Sänger Ivan Rebroff, die hier vorübergehend oder länger Quartier nahmen und dem Rheinbreitbacher Wein in Gasthöfen und Weinstuben, wie dem Clouthschen (Rheinbreitbacher) Hof, im Hotel Zur Post, der Altdeutschen Weinstube Em Höttche, dem Weinhaus Lindener oder in der Weinstube Zur Traube huldigten.


Auswärtige Kirchen, Klöster und Adelige als Eigentümer

Die bedeutenderen Rheinbreitbacher Weingüter waren im Mittelalter meist im Besitz auswärtiger Herren, wie Bonner (Münsterbasilika) und Kölner Kirchen (wie St. Aposteln) und Klöstern (wie Sion, Rolandswerth/Nonnenwerth) sowie später weltlichen Herren, wie dem Freiherrn von Breitbach (Untere Burg). Das größte Gut eines Einheimischen war wohl das der Familie Eschenbrender.


Industrialisierung, Frost, Reblaus und die Folgen

In Rheinbreitbach wurde viel Wein gezogen, teilweise mehr als in Unkel, Bruchhausen und Erpel zusammen, und damit ein lebhafter Handel getrieben. Dies geht auch daraus hervor, dass die Schröter in dem verhältnismäßig kleinen, wenn auch durch den Bergbau wohlhabenden, Dorfe eine eigene Zunft oder Gilde bildeten, die Schrötermeistern unterstanden und für die eigene Tarife (1568) aufgestellt wurden.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Umsatz der Rheinbreitbacher Winzer wegen Missernten (Frost) und des verstärkten Vorkommens von Rebschädlingen und Absatzschwierigkeiten des Rotweins durch billigere ausländische Konkurrenz deutlich gemindert. Noch 1894 trafen sich ca. 500 Winzer und Weinhändler im damaligen Hotel Zur Post in der Hauptstraße, um über die Lösung der Notlage des Winzer- und Bauerstandes zu beraten.1897 erfolgte als Konsequenz die Gründung des Winzervereins Rheinbreitbach mit 29 Mitgliedern. Die Auftreten der Reblaus in Rheinbreitbach, zuletzt 1908, verstärkte den Niedergang des Rheinbreitbacher Weinbaus. Nach den beiden Weltkriegen folgte 1953 im Mai ein starker Frost und 1956 ein schrecklicher Winter, in dem Tausende Rebstöcke erfroren. Entmutigt gaben die verbliebenen Winzer bis auf einen ihre Weinberge und -felder auf und spezialisierten sich auf Gemüse, Obst- und Kartoffelanbau.

Der letzte Berufswinzer, „der letzte Seligmacher von Rheinbreitbach“, Ludwig Lindener, setzte den Weinbau bis 1975 fort. Mit ihm endete der tausend Jahre alte Rheinbreitbacher Weinbau. Heute zeugen neben alten Weinbergsmauern und Winzertreppen nur noch Teil des Wingerts am ehemaligen Weinhaus Lindener an der Vonsbach sowie viele Hausweinstöcke von Rheinbreitbachs ehemaliger Größe als Weinort.

„Ob es wohl je wieder Rheinbreitbacher Wein geben wird?“ 


Nachtrag 2018

Ja, 2022 wird es wieder Rheinbreitbacher Wein geben!

2017 wurden die ersten Weinstöcke am Hohn gepflanzt.
2018 wurden durch das Rheinbreitbacher Ehepaar Karsten und Viola Keune auf den historischen Weinbergslagen Am Hohn und Am Vogelsang neue Querterasssen angelegt und die alten Weinbergsmauern behutsam integriert. Entstanden ist zunächst ein etwa 0,5ha großer neuer, alter Weinberg.



2017 - Der Beginn: Rekultivierung des Weinbergs Am Hohn
Foto: privat


Ob es wohl je wieder Rheinbreitbacher Wein auch am Koppel oder Mühlenberg geben wird?


Blick auf Rheinbreitbach, Rolandsbogen und Drachenfels vom versteckten Malerwinkel Korfs Wiese
rechts der Weinberg Koppel ca. Mitte des 20. Jahrhunderts

Quelle: Heimatverein Rheinbreitbach e. V.