Untere Burg

Die Untere Burg von Rheinbreitbach

Renesse-Platz

Die untergegangene Wasserburg der Herren von Breitbach.



Die Untere Burg vom Garten aus gesehen
Quelle: Heimatverein Rheinbreitbach



Untere Burg vor der Koppel, ca. 1950er Jahre
Quelle: Heimatmuseum Rheinbreitbach



Die Kelterei der Unteren Burg


"Als nächstes fiel einem das Wirtschaftsgebäude ins Auge, welches für eine einfache und kleine Burg recht groß und solide gebaut war und im ]ahre 1567 entstand. Ein großer, durchgängiger Raum im ersten Stock wurde als Kelterei für den Rheinbreitbacher Wein genutzt. Darunter befand sich der Keller, der sich nicht wie üblich ganz im Erdboden befand, sondern mit Bruchsteinmauern in die Höhe gezogen worden war und den von der Korfgasse (heutige Westerwaldstraße) abfallenden kleinen Hang abfing. Die 
Mauern, welche bis zu 3,50 m hoch waren, umfassten den Weinkeller und den Arbeitsraum der Kelterei, welcher große Steinplatten als Fußboden aufwies. Fenster ließen Licht ins Innere des Gebäudes. Die Außenwände der Kelterei dürften mit Kalk und Sand verputzt worden sein. In dem Kelterraum waren Holzdielen als Decke eingezogen, worüber eine Fachwerkkonstruktion mit Dach ruhte und als Speicher diente. Eine Besonderheit des
Gebäudes stellte der Kellereingang mit einem Wappen in Renaissanceumrahmung und Text dar, der - vor allem an die Adresse diebischer Angestellter und Gesindel gerichtet - die Zugehörigkeit zur Unteren Burg und zu deren Herrn oder Verwalter signalisierte. 
{Der originale Text über der Tür lautete: »Wilhelm von Breitbach, Herr zu Beretzheim, Amtmann von Linz und Neuerburg, Anna von Breitbach, geb. von Hanff, Frau von Berretzheim - Dieser Keller steht in Gottes Hant«} Quelle: Brungs: Geschichte Rheinbreitbachs, 1952, 155.
Insgesamt umfasste die ganze Kelterei eine 6 m x 12 m große Fläche, also 72 m2. Die Höhe des Gebäudes dürfte bei 6 bis 7 m gelegen haben.“ Die Kelterei war {...} an die Burgmauer angegliedert und bestand zum Großteil aus Bruchsteinmauern. Nur das Dachgerüst mit Speicher war im typischen Fachwerkhausstil gefertigt. Das Dach wurde in den Anfangszeiten der Burg vermutlich ebenfalls erst mit Ried oder Stroh und danach mit Schiefer gedeckt.“
Die Stelle des Wirtschaftsgebäudes hatte man aus gutem Grund ausgewählt. So konnten die Erntehelfer z.B. Körbe voll Weintrauben bequem von den beladenen Fuhrwerke auf der höherliegenden Westerwaldstraße direkt in die darunterliegende Kelterei entladen. Die Keltereigerätschaften befanden sich nämlich im ersten Stock des Gebäudes. Vermutlich wurden ab dem 16. ]ahrhundert die Körbe über die Mauer gereicht oder mit einem Flaschenzug von der Kelterei direkt hineingeholt. Die Burgmauer hatte zu dieser Zeit ja nicht mehr die Verteidigungsfunktion wie einst, denn seit dem 15. Jahrhundert war die Burg nicht mehr Stamm- und Hauptsitz der Familie von Breitbach. Die Burg wurde fortan von abhängigen Halfen bewohnt, also von Pächtern,
die einen bestimmten Teil des Ertrags - in der Regel die Hälfte - an den Grundherrn abliefern mussten. In der Kelterei wurden die Weintrauben zuerst in einer Traubenmühle zerquetscht und danach einige Stunden in großen Fässern gelagert, damit das Gemisch aus Fruchtfleisch, Saft, Kernen und Traubenschalen gären konnte.
Danach wurde diese sogenannte Maische in großen Keltern mehrere Male hintereinander gepresst. Der gewonnene Most lief aus den Maschinen durch quadratische Öffnungen im Boden direkt in den Keller des Gebäudes, wo es kühl und trocken war. Dort wurde er in riesigen Holzfässern aufgefangen und für die weitere Lagerung vorbereitet. Wenn der Wein nach der Lagerung
sein richtiges Aroma und den richtigen Alkoholgehalt entfaltet hatte, füllte man ihn in kleinere Fässer ab und beförderte diese durch den einzigen Kellerzugang wieder an die Erdoberfläche."
Quelle: Thomas Napp: Die Burgen von Rheinbreitbach, Rheinbreitbacher Heimatheft Nr. 16, 2011, 11f.


Untere Burg - Zugang zum Weinkeller der Kelterei mit Renaissancewappen
Quelle: Thomas Napp: Die Burgen von Rheinbreitbach, Rheinbreitbacher Heimatheft Nr. 16, 2011, 12


Die Untere Burg in den 1930/40er Jahren



Untere Burg um 1939, rechts neben der Burg zur Kirche hin das Wirtschaftsgebäude, auf der linken Seite der Weinkeller
Quelle: Heimatmuseum Rheinbreitbach




Untere Burg ca. 1940
Quelle: Heimatmuseum Rheinbreitbach


Untere Burg 1946
Quelle: Der Fotograf Karl Bornheim - Rheinbreitbach - ein Dorf am Strom, Hrsg. Ralf Dittmayer, 1991, 34


Herrschaft von Breitbach (HVB), Park der Unteren Burg
Foto: Dankward Heinrich